Montag, 14. November 2011

Gute Aussichten

Seit sechs Wochen bin ich nun in Hamburg und habe mich gut eingelebt. Ich bin froh, dass ich weiterhin bei meinem ehemaligen Dozenten wohnen kann. Die Wohnungssituation in Hamburg ist besonders für Studenten und Geringverdiener angespannt - es herrscht akuter Wohnungsmangel. So gestaltete sich auch meine Suche nach einer Wohngemeinschaft als schwierig. Dementsprechend dankbar bin ich, dass ich mit unserer Wohnung in Barmbek eine Unterkunft bis zum Ende meines Aufenthalts in der Hansestadt habe. Ich kann mich also bis Mitte Februar häuslich einrichten und habe am Wochenende gleich eine neue Deckenleuchte installiert. Sonst sind die Verhältnisse recht einfach und wie ich diese Zeilen schreibe, sitze ich in einem Waschsalon und schaue meinen Klamotten zu, wie sie im Trockner ihre Runden drehen. Wir haben weder eine Waschmaschine noch einen Internetanschluss in der kleinen Wohnung. Doch ich bin zufrieden und muss darüber schmunzeln, wie Gott von Anfang an alles eingefädelt hatte.

Blick von der obersten Etage der Elbphilharmonie auf die Speicherstadt und Hamburgs Skyline
Der Kontrast zur prestigeträchtigen Elbphilharmonie könnte größer kaum sein. Der Vorzeigebau am Hafen wird mit Luxusapartments, einem Hotel mit Blick über die Stadt und dem großen Konzertsaal der Hamburger Philharmoniker aufwarten. Vom Stand der Bauarbeiten konnte ich mich am vergangen Freitag überzeugen. Für Mitarbeiter der Kulturbehörde der Stadt Hamburg, die mein Arbeitgeber ist, gab es exklusive Führungen über die Baustelle. Auch ohne Baumängel und explodierende Kosten ist die Elbphilharmonie ein Bau der Superlative. Es wird nicht alle Tage ein Konzertsaal in einer Höhe von 50 Metern errichtet. Außerdem sind der Schallschutz und die Akustik eine große Herausforderung für die Architekten und die Baufirma. Wenn am nahegelegenen Kreuzfahrtterminal der HafenCity ein Ozeanriese ablegt, dann darf sein Horn nicht den Musikgenuss in der Elbphilharmonie stören. Deshalb muss der Konzertsaal von einer Luftschicht umgeben und auf Federn gelagert sein. Dazu gibt eine äußere und eine innere Schale aus Beton. So sitzt der große Saal der Philharmoniker wie ein rohes Ei auf Stoßdämpfern und lässt die Eigentümer der Wohnungen mit Elbblick im gleichen Gebäude ruhig schlafen. So brauchen auch die Superreichen eine Karte, nur die Aussicht ist inklusive.