Sonntag, 27. September 2009

Sommer ohne Ende

















So wie ich euch gerade schreibe, bin ich wieder am schwitzen. Diese Woche haben wir öfter an der 40-Grad-Marke gekratzt. Das Schöne ist, dass es abends schnell abkühlt und vom Pazifik eine Brise herüber weht. Die Sonne geht z.Zt. gegen 18:45 Uhr unter. Um diese Zeit sind dann besonders die Wohnviertel mit vielen Latinos belebt. Die Kinder springen draußen herum und spielen auf der Straße und Leute treffen sich in ihren Vorgärten. Ab und zu schaut der Eisverkäufer mit seinem kleinen Lieferwagen vorbei. Der Abend ist aber auch die beste Zeit, um in eine der Shoppingmalls unter freiem Himmel zu gehen. Diese Malls sind wie eine Art autofreie Innenstadt mit Gassen und Plätzen angelegt, die von Läden und Restaurants gesäumt sind. Man kann unter Palmen und Lichterkette flanieren, sich in ein Café setzten oder auch einfach Einkaufen. Ich halte mich da mit meinem knappen Budget etwas zurück. Auf dem Bild (ganz oben) seht ihr das Einkaufsparadies „Downtown Disney“ in Anaheim, das mit seinen Geschäften und Bars in der Nähe von Disneyland viele Menschen anlockt.

















An der Uni gefällt es mir weiter sehr gut, auch wenn ich manchmal über die Hausaufgaben und Tests stöhne. Die Atmosphäre unter uns internationalen Studenten lässt mich an ein olympisches Dorf mit all seinen Athleten aus aller Welt denken. Zugegeben, ich war noch nie bei Olympischen Spielen, aber ich kann behaupten, dass wir sehr sportlich miteinander umgehen. Da meine deutschen Kommilitonen sehr häufig zu Partys gehen und ich eher andere Seiten Kaliforniens kennen lernen möchte, bin ich viel mit Asiaten und zwei sehr netten Dänen unterwegs. Die Dänen heißen Astrid und Adam und ihr könnt sie mit mir zusammen auf dem mittleren Foto bewundern. Außerdem bin ich echt dankbar für meine Freunde von der christlichen Gemeinde in Fullerton (First Ev. Free Church). Sie nehmen mich mit und zeigen mir die Gegend.

















Weil es so heiß ist und ich ein großer Eisenbahnfan bin, habe ich diese Woche den Zug ans Meer genommen. Ich bin nach Oceanside gefahren, das auf halbem Wege zwischen Los Angeles und San Diego liegt. Die Gleise führen über einige Kilometer direkt am Meer entlang und man hat einen tollen Blick auf die Strände und die von Palmen gesäumte Küstenlinie. Oceanside ist ein Städtchen mit einem kleinen Hafen mit Leuchtturm, einem endlosen Sandstrand und einem Pier auf dem sich die Angler treffen und ihren Fang gegen die Pelikane verteidigen. Im gemütlichen Hafen sonnen sich die Seelöwen und man merkt am übrigen Publikum, dass Oceanside als Altersresidenz gilt. Weniger gemütlich war das Schauspiel draußen auf See. Nördlich von Oceanside auf dem dunstigen Pazifik fand eine Marineübung statt. Soweit ich das beurteilen kann, war einer der imposanten Flugzeugträger der US Navy beteiligt. Duzende Militärhubschrauber waren in der Luft und transportieren Lasten von der Küste zu den Schiffen auf See. Wieder ein spannender Tag in Southern California - allerdings mit Sonnenbrand.

Montag, 21. September 2009

Geheimnisvolle Geschichte

Ich verstehe mich super mit der Dame, bei der ich im Haus wohne und wir haben eine gemeinsame Leidenschaft: Geschichte. Patty, wie ich sie nennen darf, ist gerade dabei ein Buch über einen Weltenbummler aus Kalifornien zu schreiben. Dieser hat Anfang des 20. Jahrhunderts eine große Europareise unternommen und viele Fotos und ausführliche Berichte zurück nach Amerika gebracht. Meine Vermieterin ist im Besitz seines Nachlasses und erzählt in ihrem Buch seine Geschichte auf Grundlage der Reisetagebücher. Wir beide fühlen uns manchmal wie Ermittler und graben in den alten Schätzen. Für mich ist es sehr spannend auf den Bildern deutsche Städte, lange vor den Kriegszerstörungen des 2. Weltkriegs, zu sehen und ich bin ganz stolz, wenn ich Patty weiterhelfen kann. Ein paar mal war ich in der Lage Gebäude auf den vergilbten Fotos bestimmten Städten zuzuordnen, wie im Fall des Straßburger Münsters oder der Frauenkirche in München geschehen. Das passt doch wie die Faust auf's Auge, dass ich die Möglichkeit hatte mich genau in dieses Haus einzumieten!

















Im Gegensatz zum geschichtsträchtigen Europa steckt Kalifornien noch in den Kinderschuhen. Die Besiedelung durch Europäer begann erst richtig mit dem Goldrausch an der Westküste um 1850. Die Stadt Anaheim, in der ich lebe, ist z.B. 1857 von deutschen Einwanderern gegründet worden. Vor den Goldgräbern und Glücksrittern aus aller Welt waren nur die spanischen Mönche hier. Ab 1769 gründete der Franziskanerorden 21 Missionsstationen im heutigen US-Bundesstaat Kalifornien. Vor ein paar Tagen habe ich die ehemals sehr bedeutende Mission „San Juan Capistrano“ besucht (Bild oben). Hier stand einst das größte Gebäude Kaliforniens – ein Gotteshaus mit 55 m Länge und mehreren Kuppeln. Die 1806 fertiggestellte Kirche wurde allerdings bereits 1812 durch ein Erdbeben schwer beschädigt und stürzte teilweise ein. Neben den Ruinen dieser Kirche kann man die angegliederten Missionsgebäude und die üppigen Gärten besichtigen. Das Ganze mutet wie eine Oase an, weil die umgebenden Hügel durch die Sommerhitze arg verdorrt sind. Die Missionsstation ist wie eine Art Kloster aufgebaut und es gibt Höfe mit Rosengärten und Brunnen und die Ruine ist so etwas wie das kalifornische Forum Romanum. Was Älteres wird man kaum finden in Kalifornien. Ich fand es echt toll und habe vor Begeisterung ein paar Skizzen gemacht:

















Mein Wochenende war dann wieder mit allerlei Geselligem ausgefüllt. Seitdem ich eine romantische Veranlagung habe, hat mir das Lagerfeuer am Strand am besten gefallen. Am Samstag ging es mit befreundeten dänischen, chinesischen, amerikanischen und deutschen Studenten ab ans Meer und am Abend haben wir gemeinsam gegrillt und ein „Bonfire“ entzündet. Dafür gibt es extra Feuerstellen. Dann am Sonntag wurde ich von ein paar Leuten in meiner christlichen Studentengruppe gezwungen ein deutsches Geburtstagslied vorzutragen. Ich habe „Viel Glück und viel Segen“ gesungen, weil es so schön kurz ist. Da blüht mir noch was, weil die Amerikaner auf die Idee gekommen sind ein Oktoberfest zu veranstalten. Hoffentlich muss ich nicht für deutsche Folklore und Volksmusik herhalten ;-)

Mittwoch, 16. September 2009

Bus und Barbecue

Nun bin ich schon seit 8 Wochen hier in den USA und davon fast 4 Wochen ein Student an der California State University, Fullerton. Ich wundere mich manchmal, wie normal mir alles vorkommt hier in Kalifornien. Seitdem das Studium angefangen hat und ich unter der Woche einen wiederkehrenden Ablauf habe, bekommt man dieses „Gefühl von Alltag“. Was die Schule angeht, habe ich mein erstes Examen im Fach „American Government“ mit der Note „A“ erfolgreich bestritten. Nächste Woche wartet ein Weiteres im Kurs „Cities & Nature“, das sich mit den Effekten der Urbanisierung und dem Mikroklima von Städten befasst. Dafür muss ich noch ein paar Artikel durcharbeiten ...

















Fast jeden Tag bin ich in einem der vielen Busse in Orange County zu finden. Auf allen großen Avenues und Querstraßen verkehrt eine bestimme Linie von Nord nach Süd oder von Ost nach West. Für manch freiheitsliebenden Amerikaner allerdings ist ein Fahrplan eine schwerwiegende Einschränkung. So kommt es, dass einige Freunde hier darauf bestehen mich mit dem Auto abzuholen oder mich wenigstens im Anschluss an ein Treffen nach Hause zu fahren. Für den täglichen Weg zur Uni nehme ich selbstverständlich den Bus. Aber auch zum Strand, zum Einkaufen und zum Bahnhof nach Fullerton fahre ich mit OCTA (Orange County Transportation Authority), die ich mit meinem Studentenausweis kostenlos benutzen kann.

















Neben Busfahren und Lernen gibt es tausend andere Dinge zu tun und zu erleben. Da ich daran interessiert bin Freundschaften zu knüpfen, bin ich viel mit Leuten unterwegs oder lasse mich gerne einladen. Ich genieße die Gastfreundschaft der Amerikaner sehr. Super sind die Abende, an denen gemeinsam gegrillt wird. Auf dem Foto seht ihr eine Gruppe von christlichen Studenten, mit denen ich gerne Zeit verbringe.
Das war ein kleines Grillfest im Acacia Park in Fullerton. Gibt es mal kein Barbecue oder Dinner mit Freunden, koche ich zu Hause. Ich kann die Küche und alle Gerätschaften darin mitbenutzen. Das ist gut und günstig. Ich achte im Allgemeinen sehr auf eine ausgewogene Ernährung und kaufe daher viel Obst und Gemüse. Doch es gibt hier so viele Versuchungen von frischen Donuts mit Zuckerglasur, bis hin zu allen Arten von internationalen Spezialitäten. Zum Glück gibt es das „Recreation Center“ auf dem Campus, in dem ich 2- bis 3-mal wöchentlich Sport treibe.

Samstag, 12. September 2009

Amerika Herbst 2009

















Fun-Fact 1: Von ehemals 27.000 Hektar Orangenplantagen in Orange County, sind heute nur 30 Hektar erhalten.

Fun-Fact 2: Auf dem Campus meiner Uni gibt es im Freien stehende, öffentliche Mikrowellen für alle, die den Food Court nicht mögen.

Fun-Fact 3: Zum Trocknen der Badesachen gibt es in den Umkleiden eine Art Zentrifuge. Badehose rein in die Schleudertrommel und nach wenigen Augenblicken fertig.


















Fun-Fact 4: Auch in Amerika stehe ich meistens in der letzten Reihe ;-)

Am Freitag gedachte Amerika der Anschläge des 11. September 2001. Schon die ganze Woche über war auf Halbmast geflaggt und es wurde an die Opfer und an die Helden der Ereignisse von vor 8 Jahren erinnert.

Bei uns an der Universität fand das alljährliche Wohltätigkeitskonzert statt. Aus gegebenem Anlass stand die diesjährige Veranstaltung unter dem Motto „Patriotismus“. Wer an einem Tisch direkt vor der Bühne sitzen mochte, der bezahlte und fütterte so die Spendenkasse. Für alle anderen, die nicht an einem solchen Tisch saßen, war das „Concert Under the Stars“ kostenlos. Das Bühnenprogramm wurde von den Musik- und Theaterstudenten von Cal State Fullerton gestaltet. Ihr Repertoire reichte von der obligatorischen Nationalhymne, über Dixieland Jazz, bis hin zur West Side Story. Diese Studenten sind echt super; einige von ihnen waren schon bei großen Produktionen wie „The Lion King“ mit auf der Bühne. Als großes Finale gab es ein farbenfrohes Feuerwerk. Der Abend hat mir gut gefallen und ich habe viele deutsche Studenten wiedergetroffen. Das Büro für internationale Studenten sorgte, großzügig wie immer, für reichlich Essen und Getränke. So war das Ganze ein riesen Picknick mit sehr amerikanischen Musikeinlagen. Wahrscheinlich war ich der einzige Europäer, der sich an diesem Abend nicht darüber beschwert hat, dass man hier in der Öffentlichkeit kein Alkohol trinken darf. Andere Länder, andere Sitten.

Außer den Knallkörpern von unserem Feuerwerk, erschütterte ein ganz anderer Schlag den Himmel über Kalifornien. Das Spaceshuttle Discovery war nach 13-tägigem Aufenthalt in der Erdumlaufbahn auf dem Weg nach Hause. Die Raumfähre wurde, wegen schlechtem Wetter über Florida, auf einen Militärflughafen östlich von Los Angeles umgeleitet. Beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre durchbrach der Shuttle die Schallmauer und das macht Krach. Zum Zeitpunkt, als der Knall zu hören war, war ich noch nicht so gut informiert und hab erst mal meine Umgebung sondiert. In jedem Fall ist die Schüssel sicher gelandet und sie haben meines Wissens auch nichts im Weltraum vergessen. Zum Glück ist mein Semester auch ohne Spaceshuttle ein Kracher.

Samstag, 5. September 2009

Labor Day Weekend

Auch wenn ich mich hier sehr wohlfühle, müsst ihr noch keine Angst haben, dass ich mich von Deutschland zu sehr entfremde. Das kann ich so sicher sagen, weil mich immer wieder Leute als deutsch identifizieren. Ich kann nicht genau sagen warum, aber manche leiten es von meiner Kleidung ab, andere begründen es mit meiner Körpergröße und wieder andere führen es auf ihren Gesamteindruck von mir zurück. An meinem Akzent scheint es jedoch nicht zu liegen. Man bescheinigt mir eine super Aussprache. Wobei man mich auch schon als Iren erkannt haben wollte – das sehe ich aber mal als Kompliment.

Meine irischen Freunde jedenfalls konnte ich auf dem „International Street Fair“ in der Stadt Orange besuchen. Jedes Jahr am ersten Wochenende im September findet dort, im Herzen von Orange County, ein Straßenfest der Kulturen statt. Es gibt Musik aus allen Teilen der Welt und die Nationalspeisen der verschiedenen Länder. Es ist eigentlich ein Fest der Einwanderer und das macht es umso spannender. Jede Volksgruppe präsentiert ihre alte Heimat. Deutschland war mit Weizenbier und Bratwürsten vertreten, die Dänen mit süßen Leckereien, Norwegen mit Handwerkskunst und nicht zuletzt meine Iren mit Folkmusik. Bei den Griechen war die Stimmung allerdings am Besten. Eine Band spielte zum Tanz auf und kräftige griechische Mamas forderten zum Ringelreihen auf. Natürlich waren auch asiatische Länder vertreten. Wir waren in einer Gruppe aus internationalen und amerikanischen Studenten auf dem Fest (siehe Photo oben).

Nächste Woche erwartet mich an der Uni mein erster Test im Fach „American Government“. Meine Professorin in diesem Fach ist sehr erfreut, einen Europäer in ihrem Kurs zu haben. So darf ich immer bestätigen, welche Unterschiede es in den politischen Systemen beiderseits des Atlantiks gibt. Eine Sache wäre z.B. das Zwei-Parteien-System in Amerika, dass uns Deutschen völlig fremd ist.
Ansonsten versuche ich mich zu motivieren, dass ich fleißig meine Hausaufgaben mache und ich mit dem Lesestoff vorankomme. Ich hätte nicht gedacht, dass es so viel mehr Arbeit ist, als in Karlsruhe an der FH. Da ist es echt super, schon eine Lerngruppe zu haben – so kann man sich gegenseitig aushelfen. Die Lernbedingungen hier sind generell super. In der Bibliothek z.B. gibt es für jeden Fachbereich Ansprechpartner, die einem bei Verständnisproblemen jeder Zeit weiterhelfen können. So müsste ich die Prüfungen ja hinbekommen, zumal die Hälfte der Fragen Multiplechoice-Aufgaben sind.

Am Montag ist Labor Day und das bedeutet schulfrei und ein schönes verlängertes Wochenende. Da müsste ich es eigentlich mal wieder an den Strand schaffen. Bei uns ist unveränder jeden Tag Sonnenschein und 30°C. Wünsche euch in Deutschland einen schönen Sonntag und sage danke für euer Interesse an meinem Blog!