Sonntag, 27. Dezember 2009

Winter in Minnesota

Nachdem es auf die Nacht zum Heiligen Abend viel geschneit hatte, mussten wir auf den Räumdienst warten, bis es zum Familienfest gehen konnte. Neuschnee und davon ca. 20 cm verwandelt Bäume und Sträucher in Kunstwerke, macht aber das Autofahren zu einem Abendteuer. In der gezuckerten Landschaft fallen Farbtupfer besonders gut auf. Auf dem Foto in der Mitte seht ihr einen der leuchtend roten Kardinalsvögel. Ich habe Stiefel ausgeliehen bekommen, damit ich die Winterlandschaft trockenen Fußes bewundern kann. Nochmehr Winterausrüstung haben ich dann später geschenkt bekommen. Es gab Ohrwärmer, ein gefüttertes Sweatshirt mit dem Schriftzug „Minnesota“ und Handschuhe. Da hat der Weihnachtsmann gute Arbeit geleistet. Ich kann meine Freunde nur als großzügig beschreiben. Da schaut man an Weihnachten mal für ein paar Tage vorbei und sahnt gleich richtig ab. Am Abend sind wir gemeinsam in den „Candle Light Service“ in der Kirche und haben Weihnachtslieder im Kerzenschein gesungen.

Neben Besuchen bei Freunden, Einkaufen in der bereits erwähnten „Mall of America“ und Schneespaziergängen, habe ich auch ein wenig Sightseeing eingeplant. Mit dem Zug habe ich einen Ausflug nach Minneapolis gemacht, der größten Stadt Minnesotas. „Minne“ ist ein indianisches Wort für Wasser und beschreibt die Lage von Minneapolis sehr treffend. Minnesota ist der Staat der 10.000 Seen und neben Seen gibt es in der Stadt am Wasser auch noch den gewaltigen Mississippi River. Neben gefrorenem Wasser habe ich aber auch Architektur bewundern können: Ein Museum von Gehry, ein Theater von Nouvel und eine Bibliothek von Pelli. Allesamt berühmte und gute Leute – da wird einem doch warm ums Herz. Zumindest bin ich bei Temperaturen von minus 7 Grad Celsius nicht erfroren ...

Durch den Schnee stapfen, Geschenke ein- und auspacken und Freunde wieder sehen. Die Zeit in Minnesota hat mir sehr gut getan und ich konnte mich von der vergangen Prüfungswoche gut erholen. Montag früh um 7 Uhr nach „US Central Time“ geht es wieder zurück nach Los Angeles, wo ich meine Schwester am Flughafen treffen werde. Darauf freu ich mich nun schon sehr und sage mit einem lachenden und einem weinenden Auge, auf Wiedersehen, Minnesota!

Mittwoch, 23. Dezember 2009

Frohe Weihnachten!

Heute grüße ich euch aus dem winterlichen Minnesota im Mittlern Westen der USA. Seit Sonntag bin ich hier auf Besuch bei Freunden in Bloomington und werde mit ihnen Weihnachten verbringen. Ich habe es mir im Wohnzimmer gemütlich gemacht und sehe dem Schneetreiben vor dem Fenster zu. Da draußen ist es eisig. Ich muss mich nach vier Monaten Kalifornien erstmal wieder an den Winter gewöhnen. Nach einem Ausflug nach Downtown Minneapolis heute Mittag war ich so richtig durchgefroren. Die richtigen Minnesotans allerdings, finden so minus zwei oder drei Grad gar nicht üble. Ist aber schon schön, wenn die Landschaft zu Weihnachten gezuckert ist. Über die Weihnachtstage werden da auch noch ein paar Zentimeter dazukommen. In Minnesota ist man so an Schnee gewöhnt, dass es einen E-Mail-Verteiler in der Kirchengemeinde gibt, falls ein Gottesdienst wegen Schneesturm abgesagt werden muss. Dafür ist es im Haus mit dem Christbaum und seinen Lichtern sehr nett. Falls es draußen länger ungemütlich bleibt, gibt es hier in Bloomington immer noch die „Mall of America“ – ein riesiges Shoppingcenter mit Indoor-Freizeitpark. Ja, ein überdachter Themenpark mit zwei Achterbahnen und einer Wildwasserbahn.

Bei Urgroßmutter: Lefsa werden auf einer heißen Metallplatte gebacken

Die Familie, mit der ich hier die meiste Zeit verbringen werde, hat norwegische Vorfahren. Deshalb werden besonders an Festtagen skandinavische Traditionen gepflegt. Am Montag haben wir zusammen mit der 88-jährigen Urgroßmutter Lefsa gebacken. Das sind Teigfladen aus Kartoffelmehl, die ein bisschen wie Pfannkuchen aussehen und wie Knäckebrot schmecken. Lefsa wird gerne mit Butter bestrichen, mit Zucker bestreut und dann zusammengerollt verzehrt.

Mir haben die Lefsa-Fladen sehr gut geschmeckt, nachdem ich auch ein paar ausgerollt habe. Anstelle von Plätzchen aus Mürbeteig, stehen die Norweger übrigens eher auf zylinderförmige Waffeln. Eine Art kleine Eiswaffel, die gerne mit Vanillesoße gegessen werden und Krumkaker genannt werden. Bis auf den Namen sehr lecker! Wenn man so Zeit miteinander verbringt, dann kommt doch die richtige Stimmung für die Festtage auf. Ein wenig Freude kann nicht schaden, schließlich feiern wir ja auch den Geburtstag von Jesus. Ich freue mich so richtig auf den nächtlichen Gottesdienst an Heiligabend. Euch allen ein schönes Weihnachtsfest und viel Freude an Gottes Geschenk in der Krippe!

Samstag, 19. Dezember 2009

Auf ein tolles Semester!

In der Mitte: Jean Hotta, die Leiterin des Auslandsamtes an der CSUF

Eine ereignisreiche Woche geht zu Ende. Am Donnertag hatte ich meine fünfte und letzte Abschlussprüfung und bin voller Dankbarkeit, dass alles so gut gelaufen ist. Darüber bin ich so froh und auch, dass ich jetzt ausspannen kann. Für alle Unterstützung aus der Heimat und alle Gebet bin ich sehr dankbar. Am Freitag war die feierliche Übergabe der Zertifikate für ein erfolgreich absolviertes Auslandssemester. Das darf wirklich gefeiert werden! Ich durfte als einer von vier Studenten, in einer kleinen Ansprache, über meine Erlebnisse in Kalifornien berichten. Besonders habe ich den Personen gedankt, die uns Austauschstudenten unterstützt haben. Es gab viele Angebote, die die Gemeinschaft stärkten und uns die USA kennen lernen ließen. Viele von uns nehmen Freundschaften mit nach Hause, die Kontinente miteinander verbinden. Die Diversität Amerikas und die vielen Studenten aus aller Herren Länder machten meinen Aufenthalt in Fullerton sehr spannend. Ich konnte viel Neues lernen und erleben. Das ermöglicht es mir meine Ansichten z.B. im Politischen zu hinterfragen und persönlich zu wachsen.

Es Siegeln sich ein Kunstwerk der Schöpfung in den Wellen des Pazifiks

Da für die Weihnachtsfeiertage viele Studenten ihre Heimreise antreten, werden wir uns heute (am Samstag) zu einem Abschlusspicknick aller ausländischen Studenten versammeln. Auch im Dezember ist Picknicken im Freien tatsächlich möglich. Wir werden uns auf eine Wiese auf dem Campus setzen und in netten Erinnerungen schwelgen. Am Abend habe ich dann mit Freunden eine privatere Abschiedsfeier. In meinem Geiste werde ich unter dem Motto „Loslassen“ in den Abend gehen, wobei einige hier jetzt schon Pläne für die Zeit schieden, in der ich wieder hier bin. Alles hat seine Zeit und in den nächsten vier Wochen wartet noch ein super Programm hier in den USA. Zunächst geht es am Sonntag auf nach Minnesota zu Freunden im winterlichen Bloomington und Orange County hat sich am Mittwoch schon mal mit einem fantastischen Sonnenuntergang verabschiedet. Vielleicht bringt euch mein Foto das Farbenspiel am Himmel über dem Pazifik etwas näher. Als ich so am Strand stand, habe ich begonnen meine Zeit hier zu reflektieren. Die Bewerbung für das Stipendium, das Interview zum Erhalt eines Visums und die investieren Ressourcen waren es wert!

Die weihnachtliche Uferpromenade von Balboa Island in Newport

Am Donnerstag ging es nochmal ans Meer zur berühmten Bootparade in Newport Beach. Die Vorweihnachtszeit bietet viele Attraktionen, welche von den Amerikanern begeistert wahrgenommen werden. In Newport Beach zeigen die Yachtbesitzer was sie haben und schmücken ihr Boote mit Lichterketten, Krippenszenen und winterlichen Ornamenten. Mein Highlight war eine Motoryacht mit Mickey Mouse und Nussknacker aus Neonröhren, die den Zuschauern zuwinkten. In der Woche vor Weihnachten geht es dann jeden Abend um halb acht einmal durch den ganzen Hafen. Vorneweg das Polizeischiff und hinterher eine ganze Armande von erleuchteten Yachten. Am Ufer stehen winkende Besucher und Hausbesitzer und von den Booten schallen Weihnachtslieder und Grüße für schöne Festtage. Der ganze Ort ist geschmückt und begrüßt alle Gäste sehr freundlich. Trotz des vielen Schiffsverkehrs, ist alles sehr gemütlich und lässt einen in eine gewisse Stimmung eintauchen, die einfach fröhlich macht. Solche Traditionen sind was Tolles!

Donnerstag, 10. Dezember 2009

Vorsicht bei der Abfahrt

Gestern war meine letzte Vorlesung in diesem Semester. Wow, ich war schon traurig. Die Professoren und Kommilitonen sind mir in vier Monaten ans Herz gewachsen. Das erste Final habe ich inzwischen auch schon erfolgreich abgelegt. Jetzt noch vier Abschlussprüfungen in der nächste Woche und meine Zeit an der California State University, Fullerton ist zu Ende. Das Abschiednehmen von Kommilitonen und Freunden beginnt so langsam. Nach den Prüfungen werden wir versuchen alle noch mal zusammen zu bekommen, bevor wir dann in alle Himmelrichtungen ausströmen. Nächste Woche Freitag ist auch die Übergabe der Zeugnisse und ich darf eine Rede halten, um über meine Erfahrungen in Kalifornien zu berichten. Es war und ist wirklich eine tolle Zeit. Mir bleibt auch noch Zeit bis Mitte Januar, bevor es zurück in die Heimat nach Deutschland geht. Bis dahin werde ich die Zeit voll genießen, habe ich mir gedacht. Über Weihnachten geht es zu Freunden nach Minnesota in den Mittleren Westen der USA. Ich freue mich auf weiße Weihnachten, denn dort hat es inzwischen schon kräftig geschneit und was einmal gefallen ist, das taut in Minnesota erst im Frühling wieder weg. Für Silvester bin ich zurück in Kalifornien und meine Schwester Sophia kommt mich zum Abschluss meines Auslandssemesters besuchen. Hollywood will sie sich unbedingt anschaun und das kann ich auch nur empfehlen. Auf dem Bild oben seht ihr mich in Universal City stehen mit North Hollywood im Hintergrund (aufgenommen 05.12.09). Es gibt hier wirklich ein paar schöne Ecken.

Hier könnt ihr sehen, mit welchem Verkehrsmittel ich größere Strecken zurücklege. Da ich kein Auto habe, bin ich auf öffentliche Verkehrsmittel und die Züge von Metrolink und Amtrak angewiesen. Das funktioniert auch super und zur Rushhour schlage ich jeden Sportwagen. Das Foto mit der enormen Diesellok und den Wagons habe ich in Los Angeles' Union Station aufgenommen. Das Hauptgebäude wurde 1939 fertiggestellt und stammt aus den gloreichen Zeiten, als der Zug das wichtigste Verkehrsmittel in den USA war. Und da ist sie, die wunderschöne Bahnhofshalle mit Weihnachtsbaum:

Sonntag, 6. Dezember 2009

Es Weihnachtet Sehr

Obwohl schon diesen Dienstag meine erste Abschlussprüfung ansteht, komme ich doch so langsam in Weihnachtsstimmung. Beim Lernen höre ich in letzter Zeit im Radio einen Sender, der rund um die Uhr Weihnachtslieder spielt, und nichts anderes. Außerdem sind viele Innenstädte und Wohnhäuser überreich geschmückt. Einige Städte, wie auch Fullerton und Brea hier in Orange County, haben an den Wochenenden Weihnachtsmärkte mit Ständen regionaler Restaurants und Geschäfte und vor den Kirchen und Rathäusern finden öffentliche Konzerte statt. Das ist wirklich nett und Dank Wirtschaftskrise fallen die Dekorationen dieses Jahr nicht ganz so übertrieben aus. In Newport Beach wurde der Tannenbaum von 30 Metern im letzten Jahr auf nur 12 Meter in diesem Jahr reduziert. Auf dem Foto (siehe oben) ist Downtown Brea mit Weihnachtsbaum und von Lichterketten funkelnden Plamen zusehen. Immernoch recht prächtig. Plamen und Weihnachten passen nach meinem Gefühl allerdings noch nicht ganz zusammen – wobei dem Klima in Bethlehem ähnlich. Was ich sehr schön finde, sind die Krippendarstellungen in den Schaufenstern vieler Läden. Da wird einem doch warm ums Herz und die Prüfungen verlieren etwas vom ihrem Schrecken. Morgen geht es mit dem Final im Fach „Engineering Surveying“ los. Prüfungsstoff ist alles, was man zum Bau eines Highways berechnen muss. Die Wegführung, das Volumen der Erdarbeiten und die Berechnung von Kurven gehöhren mit dazu.

Jetzt möchte ich aber lieber wieder über Weihnachten in Orange County schreiben: Am Sonntag war ich mit Freuden in der berühmten Crystal Cathedral von der die „Hour of Power“ ausgestrahlt wird, die man sich sonntags auch im deutschen Fernsehen anschauen kann. In der Vorweihnachtszeit wird hier nicht nur gepredigt, sondern auch ein gewaltiges Weihnachtsspiel auf die Bühne gebracht. Die Geburt von Jesus Christus als Gottes Sohn wird in „The Glory of Christmas“ gebührend gefeiert. Das Bühnenbild alleine ist ein Kustwerk und überrascht in seinen Dimensionen. Über den Weiden und Ortschaften von Galiläa und Judäa spannt sich ein wunderschöner Sternenhimmel. Während sich der Weihnachtsstern auf seiner Bahn langsam auf Bethlehem zubewegt, erscheint den Hirten ein Engel des Herrn, die Weisen aus dem Morgenland machen sich auf ihren Weg und König Herodes wird ganz wild. Zu den Besonderheiten gehört, dass echte Tiere bei dem Stück mit dabei sind. So reiten die Römer hoch zu Ross, die Hirten führen Schafe und Ziegen auf die Weide und die Sterndeuter reisen auf dem Rücken von echten Kamelen. Zwischen den Szenen werden wie in einem Musical Weihnachtslieder und Tänze vorgetragen. Die Engel schweben dabei an Seilen hängend durch den grossen Raum über den Zuschaürn. Der Abschluss, bei dem sich Könige und Hirten um die Krippe versammeln, ist ein buntes Finale voller Spannung. Die Seitenwand der gläsernen Kirche wird geöffnet und ein Schweinwerfer strahlt hell in die Nacht hinaus und kündet von Jesu Geburt. Der himmlische Chor singt Hallelujah. Dem ist nichts mehr hinzu zu fügen.

Ein Nachtrag zum Global Climate Summit: http://calstate.fullerton.edu/news/Inside/2009/students-attend-global-climate-summit.html

Dienstag, 1. Dezember 2009

Hoch Hinaus

Blick auf die Berge des Cleveland National Forest

Heute möchte ich euch Ed vorstellen, meinen „Roommate“ in Anaheim. Er hat im selben Haus ein Zimmer gemietet und wir teilen uns Küche und Bad. Ed ist ein begeisterter Hobbyfotograph und zusammen sind wir am Sonntag in die Berge südöstlich von Anaheim aufgebrochen. Orange County ist sehr dicht besiedelt, in den Tälern und auf den Höhen des Cleveland National Forest kann man aber unberührte Natur erleben. Bei unserem Ausflug hat uns eine Studienfreundin begleitet, die wie mein Hausgenosse aus Südkorea kommt (siehe Foto unten). Das trockene Klima im südlichen Kalifornien lässt nur eine sehr angepasste Vegetation gedeihen. Die Sträucher, Bäume und Kakteen müssen über die Sommermonate ohne Wasser auskommen und auch jetzt, zu Beginn des Winters, hat es noch nicht richtig geregnet. Die Landschaft hat aber ihre ganz eigene Schönheit und in den feuchteren Tälern stehen uralte Baumriesen. Diese säumen auch die Straßen, die bei Motorradfahrern wegen ihren langgezogenen Kurven sehr beliebt sind. Am Abend tauchte die untergehende Sonne die Berge um den O’Neill Regional Park in goldene Farben. Der Park bietet ausgeschilderte Wanderwege und Rastplätze mit Picknickbänken. Unsere kleine Wanderung auf einsamen Pfaden führte uns zu einem Ort mit toller Aussicht. Das Schauspiel des Sonnenuntergangs haben wir uns von einer Bergkuppe aus angeschaut, von der man in die umliegenden Täler sehen konnte. Das Gebiet steht unter Naturschutz und dient mit guter Luft und Stauseen als Erholungsgebiet für Wochenendurlauber.

Gruppenbild mit Jinhee und Ed, meinem Mitbewohner

Neben hohen Bergen, habe ich auch die hohe Kunst der asiatischen Küche erleben dürfen. Die ganze Region um Los Angeles ist Ort einer der weltgrößten Schmelztiegel für die unterschiedlichsten ethnischen Gruppen. Beispielsweise leben hier über eine Million Iraner, die dem Mullah-Regime in Teheran nichts abgewinnen konnten. Aber Los Angeles ist besonders als Tor nach Ostasien bekannt. Chinesen, Japaner und Südostasiaten prägen Südkalifornien in großem Maße und nennen LA ihr Zuhause. Das schlägt sich auch bei den Studentenzahlen in Fullerton nieder und ermöglicht eine unschlagbare Vielfalt an Restaurants. Damit meine ich im Besonderen solche mit authentischer Küche und Gerichten, die für Europäer sehr gewöhnungsbedürftig sein können. Freunde aus der Universität haben mich in diese Welt eingeführt und mir ihre Lieblingsrestaurants gezeigt. So war ich letzten Dienstag zum Brunch aus. Doch mit Brötchen und Quarkaufstrich hatte es nur wenig zu tun. Tatsächlich wurden mir Hühnerfüße, frittierte Meeresfrüchte und Innereien serviert. Das ist was Chinesen um 11 Uhr morgens am liebsten Essen. Alle haben sich amüsiert, wie ich mich langsam an die fremden Speisen herangewagt habe. Dass alles besser rutscht, gab es noch eine Runde Schweinefett, das auch sehr gut für die Haut sein soll. Mit dem Nachtisch in einem japanischen Café konnte ich mich aber gleich anfreunden. Es gab Grüntee-Eiscreme mit roten Bohnen. Es hat sich gelohnt etwas Neues zu probieren und nach anfänglicher Skepsis habe ich mich sattgegessen.

Samstag, 28. November 2009

Ferien und Festtage

Diese Woche stand in den USA wieder ein großes Ereignis an. Am Donnerstag wurde Thanksgiving gefeiert, das ein wichtiger nationaler und christlicher Feiertag ist. Das Fest geht auf die ersten europäischen Siedler zurück, die Pilgerväter genannt werden und im heutigen Virginia an Land gingen. Englische Kolonisten und amerikanische Ureinwohner halfen sich gegenseitig über unwirtliche Winter und freuten sich gemeinsam über den Segen einer guten Ernte. Deshalb ist Thanksgiving die Zeit um Danke zu sagen und um etwas zurück zu geben von dem, was Gott einem geschenkt hat. Das Foto (siehe oben) zeigt einen Schnappschuss einer Verteil-Aktion auf dem Gelände einer Schule in Fullerton. Das Viertel um die Schule ist eines der ärmsten in der Region und alle Einwohner waren zu Essen, Musik und Spielen für die Kinder eingeladen. Ich hatte mich für das Team „Clear Tables“ eingetragen und habe Tische abgeräumt und Müll eingesammelt. Es war ein tolles Erlebnis mitzuhelfen und für über 2000 Menschen Festtagsbraten auszugeben. Da Truthähne ziemlich groß sind und man sie nicht alleine verspeisen kann, ist Thanksgiving auch ein großes Familienfest. Man kommt zusammen, hat ein traditionelles Festessen und schaut sich im Fernsehen die „Macy's Thanksgiving Day Parade“ an. Nach meinem Einsatz in Fullerton haben ich mit meiner Vermieterin und ihrer Familie gefeiert. Neben dem Truthahn gibt es Kartoffelbrei, Süßkartoffelgemüse, Bohnensalat und die Brotfüllung aus dem gebräunten Vogel.

Mit dem Feiern ging es am Freitag gleich weiter. Meinen Geburtstag habe ich früh am Morgen um 7 Uhr begonnen, um ans Meer zu fahren. Am Strand gab es dann einen kleinen Brunch und ich habe mir ein paar Sandwiches schmecken lassen. Zurück in Anaheim habe ich meine Geburtstagspost geöffnet und E-Mails gelesen. Da von Thanksgiving noch jede Menge Pumpkinpei (Kürbiskuchen) übrig war, war für die Geburtstagstorte auch gesorgt. Zusammen mit Schlagsahne ist das sehr fein. Essen ist das Wichtigste! Am Abend haben mich Freunde aus meiner Kirche in ein Restaurant eingeladen (sieh Foto). Ich hatte schon etwas von bayrischen Spezialitäten gehört, es war aber dann doch eine Überraschung. Das Lokal hieß „Jägerhaus“ und warb mit original deutscher Küche. Tatsächlich war von Sauerbraten bis zu Spätzle alles zu haben. Für mich gab es ein Schnitzel mit Pilzrahmsoße und es war lecker. Es wurde aber fast noch besser. Zum Abschluss des Abends haben wir uns das Feuerwerk in Disneyland angeschaut. Was für ein Tag und Morgen kommen noch ein paar Studienfreunde vorbei …
Vielen Dank für alle Geburtstagsgrüße!

Samstag, 21. November 2009

Großes Kino

Die vergangene Woche war richtig stressig für mich. Die letzten Mid-Term-Prüfungen und Abgaben standen auf dem Programm und ich war fleißig am arbeiten. Jetzt bin ich froh, dass wir wegen Thanksgiving eine Woche frei haben. Ich freue mich auf die Festtage und die Möglichkeit Freunde zu sehen. Danach warten nämlich die Abschlussprüfungen auf uns, die eine Woche vor Weihnachten stattfinden. Alle werden sehr beschäftig sein ...
Auf dem Foto (siehe oben) seht ihr unseren Freundeskreis aus internationalen Studenten, mit denen ich unter der Woche viel Zeit verbringe. Das sind echt total liebe und gesellige Leute. Beispielsweise haben wir ein „Potluck“ veranstaltet. Man trifft sich dabei zum Essen und jeder bringt eine Speise oder ein Getränk mit und man teilt miteinander. Die Koreaner hatten ein Nudelgericht mitgebracht, dass mich fast umgehauen hat, weil es so mächtig scharf war. Neben dem Essen aus unterschiedlichsten Ländern, haben wir uns auch gegenseitig unsere Heimat vorgestellt. Einige hatten ganz tolle Poster vorbereitet, auf denen die Highlights ihrer Herkunftsländer abgebildet waren.

Was wäre LA ohne Hollywood! Habe ja schon einiges über meine Entdeckungstouren durch LA und Orange County berichtet. Da darf eine Geschichte über einen Filmdreh natürlich nicht fehlen. Es gibt Gebiete in Los Angeles, wo man mit ziemlicher Sicherheit irgendwann auf Dreharbeiten stößt. Hochgeladen habe ich ein Foto von einer Filmszene, die in Downtown aufgenommen wurde. Genauer gesagt war der Drehort auf der Grand Avenue. Es war interessant zuzusehen, wie das genau von Statten geht. Die Szene wurde immer wieder wiederholt und dann die Aufnahmen auf kleinen Bildschirmen analysiert, um die Einstellungen der Kameras und die Interaktionen der Schauspieler zu verbessern. Da ich wenig Ahnung von Filmen habe, kann ich nicht sagen, ob eine Berühmtheit mitgespielt hat. Auf dem schmalen Bürgersteig waren alle möglichen Gerätschaften versammelt. Es gab einen Schminktisch, Snacks und Getränke waren aufgebaut und allerlei Ton- und Lichttechnik. Das ist schon spannend zu beobachten.

Dienstag, 17. November 2009

Vom Bauen

Hallo liebe Leute! Sende euch mit diesem „Post“ sonnige Grüße nach Hause und wo immer ihr euch gerade aufhaltet. Das Wetter ist immer noch traumhaft - kein Wölkchen trübt den Himmel und das Thermometer zeigt am Mittag 80°F (25°C). Da es hier und da auch im November blüht, kann man jetzt noch einen der flinken Kolibris entdecken. Mitte Oktober ist es mir gelungen einen der sehr scheuen Vögelchen mit meiner Digitalkamera aufzunehmen – da war ich stolz ;-)

Außer Naturaufnahmen kommen bei mir besonders häufig Gebäude vor die Linse. Studienbedingt interessiere ich mich sehr für allerarten Bauwerke und manche an freien Tagen gerne Mal eine Tour zu einem neuen Apartmentkomplex oder einem Museum. Orange County und Los Angeles haben was das angeht viel zu bieten und es macht Spaß die Gegend zu sehen. Hier zwei Beispiele aus Downtown LA:

Die Walt Disney Concert Hall in Downtown Los Angeles

Neue "Performing Arts High School" gegenüber dem Santa Ana Freeway

Nicht nur Gebäude werden gebaut, sondern auch Brücken. Im übertragen Sinne meine ich die Bekanntschaften, die ich während meines Auslandssemester machen darf. Die Menschen, die ich hier treffe, sehe ich als große Bereicherung. Gott beschenkt mich damit. Ich möchte euch von zwei deutsch-deutschen Begegnungen im fernen und doch so nahen Kalifornien berichten. Bereits erwähnt habe ich, dass Anaheim eine deutsche Gründung ist und dass im Verlauf der Geschichte immer neue Einwanderer nach Orange County kamen. Heute möchte ich euch zwei Personen vorstellen, die die trockene Geschichte mit Leben füllen. Vor einiger Zeit war ich in Downtown Santa Ana unterwegs, wo Cal State Fullerton eine Kunstgallerie und Schulungsräume unterhält. Vor dem Schaufenster der Galerie stehend, spricht mich auf einmal ein älterer Herr mit Strohhut an und fragt mich, was ich den hier so mache. Es ergab sich eine richtige Unterhaltung und wir stellten uns mit Namen vor. August hieß er, ist fast 80 und hat einen Vater, der für Kaiser, Volk und Vaterland in den ersten Weltkrieg gezogen ist. Nach dem Krieg ist dieser stolze Deutsche in die USA ausgewandert und hat sich in Wisconsin im Mittleren Westen niedergelassen. Dort gründete er später eine Familie und August erblickte das Licht der Welt. Es war wirklich spannend ihm zuzuhören und ich dachte mir, schön ein solches Original zu treffen.

Eine andere Begegnung ereignete sich auf dem Campus des Orange County Performing Arts Center. Dorthin hat es mich verschlagen, weil ich mir mal wieder die Architektur ansehen wollte und davon gibt es hier gleichmal eine Kostprobe:

Kaum in Costa Mesa angekommen, habe ich meine Kamera ausgepackt und wollte Bilder von der Konzerthalle und dem Theater machen. Da kommt ein Wachmann im schicken Anzug auf mich zu und ich grüße freundlich. Er grüßt zurück und erklärt mir vorsichtig, dass man hier eine Genehmigung bräuchte zum Fotografieren. Er meinte allerdings, ich könne ruhig weiter machen und wenn mich jemand fragt antworten, dass ich bei ihm was unterschrieben hätte. Dann stellt sich heraus, er kommt aus Stuttgart und ich erzähle, dass ich auf der Cal State Fullerton ein Auslandssemester absolviere und aus Karlsruhe komme. Da haben wir erst mal gelacht. Ich betone allerdings nochmal ausdrücklich, dass das Foto allein privaten Zwecken dient.
Bis zum nächsten Mal! Euer Simon

Mittwoch, 11. November 2009

Veterans Day

Am 11. November 1918 endete der erste Weltkrieg und ließ verwüstete Schlachtfelder und abertausende gefallener und verwundeter Soldaten zurück. In den USA wird der Jahrestag des Versailler Vertrags bis heute als „Veterans Day“ gefeiert. In Fullerton findet dazu traditioneller Weise eine Parade und eine feierliche Kranzniederlegung statt. Da ich mehr über Amerika lernen möchte, war ich mit unter den Zuschauern. Alle fünf Waffengattungen des US-Militärs waren durch je eine Einheit aus Rekruten vertreten, wie ihr sie auf dem Foto (siehe oben) sehen könnt. Dazu spielte eine Marschkapelle, eine Staffel historischer Jagdbomber donnerte über unsere Köpfe hinweg und Salutschüsse ehrten Amerikas Soldaten. Viele Veteranen im Seniorenalter waren gekommen, um bei der Parade mit dabei zu sein oder gefallenen Kammeraden zu gedenken. Bei aller Glorifizierung ist es doch wichtig an die Aufopferung der gedienten Soldaten und ihrer Familien zu erinnern. Ganz aktuell haben die Kriege im Irak und in Afghanistan für 1 Million neue Veteranen gesorgt. Auch wenn keine feindliche Kugel sie traf, kommen sie mit seelischen Wunden zurück aus dem Einsatz und die amerikanische Gesellschaft muss in der Lage sein diese Menschen aufzufangen. Dies wurde in einer flammenden Rede deutlich gemacht.

Nach der Zeremonie in Fullerton ging es weiter nach Yorba Linda. Das ist weniger ein Frauenname, als der Geburtsort von Richard Nixon. Das war immerhin der 37. Präsident der Vereinigen Staaten. Jedenfalls war am Veterans Day der Eintritt in die „Richard Nixon Library“ frei und wir haben davon Gebrauch gemacht. Der Komplex umfasst Richard Nixons Geburtshaus, ein Museum, Veranstaltungsräume, eine Bibliothek und einen Garten, in dem das Ehepaar Nixon beerdigt ist. Da in Nixons Präsidentschaft die erste Mondlandung stattfand, gibt es jetzt zum 40. Jahrestag eine Sonderausstellung zu den Apollo-Missionen. Das hat mich besonders interessiert. Außerdem kann man ein Segment der Berliner Mauer besichtigen und die Geschenke, die die USA während seiner Amtszeit von anderen Staatsoberhäuptern erhalten haben. Auf dem Foto seht ihr mich vor dem Original des Präsidentenhubschraubers, in dem Nixon persönlich gesessen hat. Das ist derselbe Helikopter, in dem er nach seinem Rücktritt den Abflug gemacht hatte. Seinen Stuhl musste er wegen der s.g. Watergate-Affäre räumen. Der Präsident musste eingestehen, dass er Büros der gegnerischen demokratischen Partei hatte abhören lassen. Politik kann spannend sein ;-)

Sonntag, 8. November 2009

Zigeunerleben

Meng Concert Hall, Cal State Fullerton (Quelle: Patrick O’Donnell)

Keine Angst, der Titel soll nicht diffamieren, sondern ist eine Anspielung auf große Kunst. Ich war zu einem Konzert von Studenten der California State University eingeladen. Fullerton hat einen sehr guten Ruf in den Bereichen Theater und Gesang. Dementsprechend ist meine Uni auch mit einem großzügigen Konzertsaal ausgestattet, der Meng Concert Hall. Im Chor mit dabei eine Freundin aus meiner Kirchengemeinde, die ganz stolz berichtet hatte, dass auch deutsche Stücke vorgetragen werden. Sie hat mir dann ihre Noten unter die Nase gehalten und ich sollte den hoch-poetischen Text von Johannes Brahms‘ „O Schöne Nacht“ ins Englische übersetzen. Gar nicht so einfach. Am Samstag war es dann soweit und das Programmheft belehrte mich in meinen Übersetzungsversuchen. Jedenfalls war ich begeistert von dem klassischen Gesang und den Stimmen der Solisten. Der Dirigent und Professor lobte seine Studenten besonders für den Vortrag von „Singt dem Herrn ein neues Lied“ von Johann Sebastian Bach. Im Land der Hamburger auch Texte von Rainer Maria Rilke zu hören und der Musik Robert Schuhmanns zu lauschen ist fast ein Kulturschock. „Es lockt die Gitarre, die Cymbel klingt. Wie wild und wilder der Reigen sich schlingt.“

Newport Beach für Reiche: Villen mit privatem Anleger

Die letzten Wochen standen einige Klausuren an. Dabei musste ich immer wieder feststellen, dass ich zu Hause sehr abgelenkt bin und mit dem Lernen schlecht vorankomme. Als Alternative habe ich mich letzte Woche in Newport Beach an den Strand gesetzt. Dort konnte ich meine Unterlagen durchgehen und mich in den Pausen an der tollen Natur am Meer freuen. Bin auch froh, dass der Bärenanteil von Prüfungen geschafft ist und ich mich jetzt auf die Projekte und Examen zum Semesterabschluss konzentrieren kann. Am 18. Dezember endet mein Semester an der California State University, Fullerton.
In Newport Beach war ich allerdings nicht nur zum Studieren. Als ich auf dem Pier spazierte, hat mich ein Herr auf eine Schule von Delphinen aufmerksam gemacht, die sich sehr nahe am Strand aufhielt. Das war das erste Mal, dass ich Delphine in freier Natur gesehen habe. Gibt immer noch was Neues zu entdecken!

IN THE NEWS

20 Jahre Mauerfall
Im Fernsehen laufen Sendungen zu den bewegenden Ereignissen vor 20 Jahren und hier in Los Angeles gibt es in der Ronald Reagan Library eine Sonderausstellung zum Fall der Berliner Mauer. Amerika feiert mit uns!

Massaker in Fort Hood
Am Donnerstag wurden 13 US-Soldaten auf einem Stützpunkt in Texas durch einen Militärpsychologen erschossen. Als Motiv des Täters wird eine Radikalisierung in seinem islamischen Glauben in Verbindung mit Depressionen vermutet.

Sonntag, 1. November 2009

Von Klausuren und Kürbissen

Es ist Sonntagabend gegen 10 Uhr und ich bin gerade von meiner „College Group“ meiner Kirche in Fullerton zurück nach Hause gekommen. Das war ein schöner Abend mit Andacht, Lobpreis und viel Spaß mit Freunden. Das motiviert mich für die neue Woche und die Klausuren, die auf mich zukommen. Über das Wochenende habe ich jede freie Minute im Bus oder vor dem Einschlafen genutzt, um mich durch Texte über Stadtentwicklung und meteorologische Einflüsse auf Baseballstadien zu lesen. Das ist gar nicht so langweilig, wie es vielleicht klingen mag und so bin ich auch nicht frühzeitig eingeschlafen. Montag und Mittwoch steht jeweils eine Midterm-Prüfung an. Letzte Wochen habe ich schon mal das Examen im Fach „Mechanics of Materials“ gut hinter mich gebracht und nehme davon noch ein wenig Rückenwind in die neue Woche mit. Das war ein kleiner Meilenstein, weil ich mit der Statik eine Weile auf Kriegsfuß stand.

Unsere Gruppe von der International Christian Fellowship

Als Ausgleich zum Büffeln stand dieses Wochenende aber auch einiges auf dem Programm, schließlich war Halloween angesagt. Eine großartige Gelegenheit für Studenten zu feiern und Themenpartys zu organisieren. Anstelle von Geistern und Friedhof, haben wir uns beim christlichen Studententreff am Freitag (siehe Foto oben) auf Kürbisse und Bauernhof spezialisiert. Das ganze war eine nette Harvest Party, bei der wir Kürbisse ausgehöhlt und Spiele miteinander gespielt haben. Ein Erntefest also, bei dem reichlich Essen nicht fehlen durfte. In unserer Nachbarschaft in Anaheim waren derweil alle fleißig dabei alles für Samstag vorzubereiten. Hier auf diesen Bilder könnt ihr sehen, wie kreativ die Dekorationen im Vorgarten aussehen können:


Weil Halloween aus einer alten katholischen Tradition entstammt, bei der der Toten gedacht wurde, durften Grabstätten und Skelette als gestalterische Elemente nicht fehlen. Alles das wurde aufgebaut, um die Kinder am Samstagabend auf ihrer Süßigkeiten-Tour auf gruselige Weise zu begrüßen. Nach Sonnenuntergang zogen die verkleideten Kids dann um die Häuser und kamen auch an unsere Haustüre. Da gab es tapfere Piraten, kleine Superhelden und Prinzessinnen natürlich. Sogar ein Hund kam verkleidet – als geschälte Banane. Wir hatten ein Stroboskop auf der Veranda und sorgten damit für eine Art Blitzgewitter. Nachdem die Kinder ihren Spruch „Trick or Treat“ gesagt hatten, bekamen sie eine Süßigkeit. Wir hatten echt viel Spaß und ich hatte die Möglichkeit alle Nachbarn kennen zu lernen.

Sonntag, 25. Oktober 2009

San Francisco

Das Golden Gate ist die Einfahrt in die Bucht von San Francisco

Die Golden Gate Bridge, Cable Cars und Mrs. Doubtfire. San Francisco ist eine der Städte, die jeder glaubt zu kennen. Zur Stadt wurde San Francisco durch seine geographische Lage im größten natürlichen Hafen an der Westküste und durch den Goldrausch, der tausende Glücksritter an Kaliforniens Küste spülte. So war die Bucht von San Francisco schon vom Beginn ihres Aufstieges ein Ort der Träume. Natürlich musste ich während meiner Zeit im Golden State die Chance nutzen und dieser Metropole einen Besuch abstatten. Da ich letzte Woche Dank Sparmaßnahmen nur einen Tag Vorlesungen hatte, hielt mich nichts mehr und ich habe mich für eine Stunde in den Flieger geschwungen. Drei Tage hatte ich dann, um mit dem Boot unter der Golden Gate Bridge hindurch zu fahren, Chinatown zu erkunden und die berühmte Lombard Street im Zickzack zu erklimmen. Nicht zu vergessen die ehemalige Gefängnisinsel Alcatraz in mitten der Bucht.

Die sich windende Lombard Street und ein Blick über die Stadt

Meine Unterkunft war ein recht einfaches Hostel im Mission District, der einmal für seine vielen Theater bekannt war. Heute sorgen die Latinos für gute Stimmung und betreiben dort Gemüseläden und Restaurants mit einfacher, aber leckerer mexikanischer Kost. Diese Stärkungen hatte ich dringend nötig, da ich sehr viel zu Fuß unterwegs war, um San Francisco richtig kennen zu lernen. Ich habe das mal mit Hilfe von Google Earth nachverfolgt und komme auf ca. 30 km, die ich gelaufen bin. Das macht also überschlagen 10 km pro Tag und ich kann nur sagen, es hat sich gelohnt. Ich habe viel gelernt und gesehen. Es gibt so viele nette Straßenzüge mit diesen typischen Wohnhäusern und ihren reichverzierten Faden im viktorianischen Stil. Ich habe über 400 Fotos gemacht – das sagt fast alles.

Ein vollgepackter Cable Car am Union Square im Herzen der Stadt

Es gibt so viel zu sehen und ihr könnt euch sicher vorstellen, dass ich mir ein straffes Programm ausgedacht hatte, um möglichst viel abzudecken. Dennoch habe ich meine Zeit sehr genossen und bin wirklich sehr begeistert von San Franzisco. Ehrlich gesagt, fand ich es sehr entspannend alleine unterwegs zu sein. Ich konnte in meinem Tempo die Straßen von Downtown entlang laufen und es war ganz leicht möglich das Programm zu ändern, wenn ich etwas entdeckt hatte, dass ich mir anschauen wollte. Meine Highlights waren definitiv die Bootsrundfahrt mit Abstechern zur Golden Gate Bridge und Alcatraz und ein Spaziergang am Stadtstrand mit Blick auf die Skyline.

Mittwoch, 21. Oktober 2009

The Golden State

Einen lieben Gruß an alle treuen Blog-Leser! Heute möchte ich euch in einem kleinen Rundumschlag berichten, welche Ausflüge ich in der letzten Tagen gemacht habe. Sollte es einem z.B. im Flachland zu langweilig werden, gibt es immer noch die Foothills, eine Bergkette nahe am Meer, die parallel zur Küstenlinie verläuft. Genau dahin hat es uns letztes Wochenende verschlagen. Wir waren eine Gruppe aus Studenten, die wir uns von der „International Christian Fellowship“ kennen. Unsere Ziel war ein Tal bei Oak Glen, dass für seine Apfelplantagen bekannt ist (siehe Foto oben). Der Oktober ist optimal für ausgedehnte Spaziergänge im Freien, weil kein Hitzschlag mehr droht. Die Berge und Obstwiesen sind ein schöner Anblick, wenn auch hier und da Berghänge von vergangener Waldbrandaktivität zeugten. Zu einem Picknick sind wir auf eine Apfelfarm gefahren und haben uns frischgepressten Apfelsaft schmecken lassen.

Nach einer Dosis ländlicher Idylle, musste ein kleiner Stadtbummel in San Diego für Ausgleich sorgen. Dorthin hat es mich am Dienstag verschlagen. Das schöne ist, dass einen Amtraks Surfliner von Anaheim direkt nach Downtown San Diego befördert (siehe Foto über diesem Abschnitt). Der „Surfliner“ ist ein Zug, der stündlich auf der Strecke zwischen Los Angeles und San Diego verkehrt. Die zweitgrößte Stadt Kaliforniens hat eine quirlige Innenstadt mit dem „Gaslamp Viertel“ und seinen Restaurants, der Messe und der Hafenpromenade. Der Hafen selbst ist mit der Stadt verwachsen und befindet sich in einer ausgedehnten Bucht, in der auch die US-Navy einen Stützpunkt unterhält. Dort ist ein Teil der Flugzeugträgerflotte beheimatet. Außerdem hat San Diego einen historischen Bezirk, dessen Gebäude sehr von der spanisch-mexikanischen Besiedelung um 1800 geprägt sind. So dicht an der mexikanischen Grenze habe ich mich mittags natürlich mit einem schönen Burrito, einer gefüllten Teigrolle, gestärkt. Damit der Belag das nächste Mal noch mehr meinen Erwartungen entspricht, sollte ich vielleicht ein wenig Spanisch lernen.

Mit dem Ziel sich den Sonnenuntergang in Santa Monica anzuschauen lockt man, wie ihr auf unserem Gruppenfoto sehen könnt, nur wenige Jungs an. Zum Glück gibt es Chinesinnen, eine wertvolle, im eigenen Land aber bedrohte Rasse. Moment, dass führt jetzt eigentlich zu weit. Zur kurzen Erklärung sei gesagt, dass Einkindpolitik und Männerwahn zu einer Frauenknappheit in China geführt haben. Das greift im Land der unbegrenzten Möglichkeiten allerdings nicht – müsste mir den Sonnenuntergang ja dann auch alleine ansehen. Santa Monica ist in jedem Falle einen Ausflug wert und bietet von der Steilküste aus einen tollen Blick über die Bucht von Los Angeles. Neben einem Pier mit Riesenrad, gibt es eine piekfeine Einkaufspromenade und einen kilometerlangen Sandstrand, der an den von Malibu grenzt.

Samstag, 17. Oktober 2009

Cloudy With a Chance of Rain

Ein großes Ereignis, auf das sich der ganze Süden Kaliforniens gefreut hat, liegt hinter uns. Nach Monaten der Trockenheit hat es das erste Mal geregnet und zwar so richtig. Eines der seltenen Tiefdruckgebiete hat den Durchbruch geschafft und uns am Dienstag und Mittwoch kräftigen Niederschlag gebracht. Das war auch der erste Regen, den ich in Kalifornien erlebt habe. Zum Glück sind das befürchtete Chaos auf den Straßen und die Erdrutsche in den von den Waldbränden betroffenen Gebieten ausgeblieben. Am Mittwoch bin ich gleich nach der Uni ans Meer, weil ich die Naturgewalten, die Wellen und den Wind, erleben wollte. Allerdings war ich nur noch in der Lage die letzten Regenwolken zu knipsen (siehe Bild unten). Kaum war der Regen nämlich vorüber, hat sich der Sturm verzogen und wir haben hier wieder Sonnenschein pur und 30°C im Schatten. War allerdings auch toll zu sehen, wie es aufklart und wie sauber die Luft auf einmal ist!

In Fullerton an der Universität ist fast Halbzeit. Das bedeutet, dass ich in der letzten Zeit einige Ausarbeitungen und Klausuren zu schreiben hatte. Bis auf ein Fach hat alles sehr gut geklappt und der Unterricht macht Spaß. In „Mechanics of Materials“ allerdings habe ich etwas zu kämpfen. Unser Professor verbringt den Unterricht damit neue Formeln an die Tafel zu schreiben und verweist auf seine Sprechzeiten, wenn jemand etwas nicht versteht. Gerade versuchen wir zu beleuchten, wie sich Stahlbeton unter bestimmten Lastverteilungen verhält. Der Ärger mit der Statik wird durch meine Lieblingsvorlesungen in Stadtplanung und Politik dankenswerterweise mehr als kompensiert. Abgesehen davon haben wir nächste Woche vorlesungsfrei, weil sich Cal State Fullerton am Sparprogramm des Staates Kalifornien beteiligt. Offiziell dürfen nur die Professoren ausspannen und wir Studenten sollen weiter fleißig arbeiten. Dennoch bietet die Woche Zeit zur Erholung und die Möglichkeit für ein paar Tage das Land zu entdecken. Ich werde auf einen Trip nach San Francisco gehen. Golden Gate Bridge ich komme!

Ganz zum Gruseln war mir Donnerstagnacht. Mit einer Gruppe von Studenten (v.l.: Suhag, Alice, Daisy, Jason, Aika, Steven, ich und Karen) waren wir in Knott´s Berry Farm, einem Vergnügungspark, der vor allem für seine Achterbahnen bekannt ist. Doch im Monat Oktober ist alles anders: Monster, Leichen und Gespenster übernehmen nach Sonnenuntergang das Kommando im Freizeitpark und lehren allen Besuchern das Fürchten. Halloween lässt grüßen und so wird Knott´s Berry Farm zu Knott´s Scary Farm. Berühmt sind die Geisterhäuser und Irrgärten, in den Schausteller nur darauf warten dir Angst einzujagen. Das ist die absolute Wahnsinnsshow mit passender Musik und Dekoration. Typischer Weise berührt dich jemand unerwartet im Halbdunkel oder aus der Wand kommt etwas hervorgeschossen. Bei einer Show musste ich den „Verlobten“ spielen und habe mich ganz schön erschreckt, als die „Familie meiner Verlobten“ eine Kreissäge nur knapp über meinem Kopf vorbeischwingen lies. Das war eine nette Inszenierung. Am meisten habe ich mich allerdings vor den Achterbahnen gefürchtet und da hieß es Augen zu und durch. Es hat Spaß gemacht und ich hatte keine Albträume hinterher ;-)

Sonntag, 11. Oktober 2009

Oktoberfest

Ich muss schon sagen, ein besonderes Wochenende liegt hinter mir. Wer hätte das gedacht: Ein Oktoberfest unter Palmen. In meiner „College Group“ von der Kirche, die ich besuche, wurde schon seit August geplant ein Oktoberfest auszurichten. Am Samstag war ich aber dann doch überrascht, wie begeistert Amerikaner ein anderes Land und seine Kultur freien können. Und mir war es schon fast peinlich, wie sie mich, als einzigen Deutschen bei unserer Party, hochleben ließen. Der Garten in dem wir gefeiert haben war mit deutschen Flaggen geschmückt und einige Gäste hatten sich in traditionelle Kleidung geworfen: Dirndl und Lederhosen durften einfach nicht fehlen. Als historische Figur war sogar ein Martin Luther unter uns.

Von Anfang an wollten wir auch Musik und Tanz bei unserem Oktoberfest haben. Für dieses Unterfangen hatte unser Pastor eine Musikgruppe organsiert, die auf Polka spezialisiert ist. Es gibt gerade in Orange County einige deutsche Vereine, die die Bräuche und Feste aus der alten Heimat zelebrieren. Die Mutter des älteren Herren, der uns die Tanzschritte beigebracht hat, hat tatsächlich in Karlsruhe gewohnt bevor sie ausgewandert ist. Wie klein ist die Welt! Als Tanzfläche diente uns ein Hartplatz, der normalerweise zum Volleyball- oder Basketballspielen genutzt wird. Dann ging es auch schon los und wirklich alle haben sich getraut und zu den Klängen des Akkordeons das Tanzbein geschwungen. Ich muss zugeben, es hat sehr viel Spaß gemacht.

Zu essen gab es jede Menge Bratwurst mit Kartoffel- oder Krautsalat und eine große Auswahl an Nachtisch. Lecker sage ich euch – Käsekuchen, Schokoladentorte und Apfelstrudel! Das Getränk der Wahl war dafür nicht so mein Geschmack. Anstelle von richtigem Bier hatten wir ein Fass „Root Beer“ zum Anstich bereit. Das s.g. Wurzelbier ist eine Art Malzbier; ziemlich süß aber dafür alkoholfrei. Dieses Gesöff diente als Grundlage für unser Wetttrinken. Die Teilnahme daran blieb mir verschon, ich durfte aber auf Deutsch bis drei zählen und dann wurde kräftig geschluckt. Ich habe mich riesig amüsiert und war doch sehr stolz ein Deutscher zu sein!

Donnerstag, 8. Oktober 2009

Gesichter einer Stadt

















Letztes Wochenende habe ich einen Abstecher nach „Inner City Los Angeles“ gemacht. Schon einmal habe ich dort das „Dream Center“ besucht. Das ist eine Einrichtung, die sich um Obdachlose, Drogenabhängige und Kinder aus sozialschwachen Familien kümmert. Weil eine Freundin von mir dort ein Praktikum gemacht hat, habe ich im Dream Center einige Leute kennen gelernt. Am vergangenen Sonntag habe ich sie besucht. Wir waren gemeinsam beim Gottesdienst und haben dann den Tag in LA verbracht.

Ich bin wirklich daran interessiert, das wahre Gesicht dieser Stadt zu ergründen. Los Angeles erscheint wie zusammengewürfelt. Die Stadt ist auf unzähligen Hügeln erbaut und so viele Hügel es gibt, so viele Stadtteile gibt es auch. Jedes Viertel der Metropole hat seinen eigenen Charakter, der hauptsächlich durch die unterschiedlichen Ethnien und den Grad an Wohlstand geprägt wird. Es gibt Chinatown, Little Tokyo, Latino-Hochburgen, Villenviertel und Geschäftsdistrikte. Straßen, wie der Sunset Boulevard ziehen sich über viele Meilen durch Los Angeles. Auf ihrem Kurs durch die Stadt geht es mal durch angesagte Vergnügungsviertel und dann durch einfache Wohngebiete. Fährt man auf dem Sunset Blvd. nach Norden, so betritt man alle 5 Minuten in eine anderen Welt, einen eigenen Mikrokosmos.

Hier einige Eindrücke von meinen Streifzügen durch LA:

















Blick vom Stadtteil Echo Park nach Nordwesten. Zusehen ist der berühmte Schriftzug, der über der gleichnamigen Stadt thront. Östlich von Hollywood ist das imposante Griffith Observatory zusehen.

















Kein Tag ohne Verkehrsinfarkt: Die 1300 Meilen an Schnellstraßen in und um Los Angeles werden in der Rushhour zum weltgrößten Parkplatz. Da bin ich mit dem Zug dreimal schneller.

















Nur zwei Meilen von Downtown entfernt dieses Bild. Dicht gedrängt stehen Einfamilienhäuser aus der ersten Hälfte der 20. Jahrhunderts. Blick auf Elysian Park, in der Ferne Mount Harvard.

Freitag, 2. Oktober 2009

Global Climate Summit

















Heute hatte ich die tolle Gelegenheit einer internationalen Konferenz zum Thema Klimawandel beizuwohnen. Cal State Fullerton konnte einige Studenten zur dieser Veranstaltung entsenden und mir wurde die Ehre zuteil dieser 9-köpfigen Studentengruppe anzugehören. Das Treffen von Politikern, Wissenschaftlern und Wirtschaftsvertretern fand in Vorbereitungen auf den Klimagipfel in Kopenhagen statt, bei dem ein Nachfolgevertrag zum Kyoto-Protokoll verhandelt werden soll. Ich fand die Gesprächsrunden und Vorträge sehr interessant und war ganz aufgeregt, all die berühmten Leute zu sehen. Tony Blair aus Großbritannien war gekommen, viele weitere verdiente Politiker und Hollywoodgrößen und natürlich der „Governator“ Arnold Schwarzenegger höchst persönlich. Er und viele seiner Kollegen auf Landesebene haben sich zum Klimaschutz und zum Einsatz erneuerbarer Energien verpflichtet, als die Bundesregierung in Washington noch keinerlei Taten hat sprechen lassen. Beispiele aus China, Indonesien, Mexiko und den USA zeigten auf ermutigende Weise, welche Fortschritte möglich sind. Mit dieser Konferenz in Los Angeles‘ berühmten „The Hyatt Regency Century Plaza“ Hotel sollte ein Zeichen für Energieeinsparung, innovative Technologien und Umweltschutz gesetzt werden. Zum Schluss unterzeichneten Regierungsvertreter aus mehreren Ländern eine Erklärung mit der Verpflichtung zu konkreten Klimaschutzmaßnahmen. Mal sehen, welche Ergebnisse Kopenhagen wirklich hervorbringen kann. Ich hoffe, dass dieser Tag in LA nicht nur eine große Bühne für hochrangige Persönlichkeiten war, sondern wirklich etwas bewegt hat. Für mich war es eine gute Erfahrung.


 
 













Gruppenfoto mit meinen Kommilitonen aus Fullerton

















Tagungsort in Century City, Los Angeles