Samstag, 28. November 2009

Ferien und Festtage

Diese Woche stand in den USA wieder ein großes Ereignis an. Am Donnerstag wurde Thanksgiving gefeiert, das ein wichtiger nationaler und christlicher Feiertag ist. Das Fest geht auf die ersten europäischen Siedler zurück, die Pilgerväter genannt werden und im heutigen Virginia an Land gingen. Englische Kolonisten und amerikanische Ureinwohner halfen sich gegenseitig über unwirtliche Winter und freuten sich gemeinsam über den Segen einer guten Ernte. Deshalb ist Thanksgiving die Zeit um Danke zu sagen und um etwas zurück zu geben von dem, was Gott einem geschenkt hat. Das Foto (siehe oben) zeigt einen Schnappschuss einer Verteil-Aktion auf dem Gelände einer Schule in Fullerton. Das Viertel um die Schule ist eines der ärmsten in der Region und alle Einwohner waren zu Essen, Musik und Spielen für die Kinder eingeladen. Ich hatte mich für das Team „Clear Tables“ eingetragen und habe Tische abgeräumt und Müll eingesammelt. Es war ein tolles Erlebnis mitzuhelfen und für über 2000 Menschen Festtagsbraten auszugeben. Da Truthähne ziemlich groß sind und man sie nicht alleine verspeisen kann, ist Thanksgiving auch ein großes Familienfest. Man kommt zusammen, hat ein traditionelles Festessen und schaut sich im Fernsehen die „Macy's Thanksgiving Day Parade“ an. Nach meinem Einsatz in Fullerton haben ich mit meiner Vermieterin und ihrer Familie gefeiert. Neben dem Truthahn gibt es Kartoffelbrei, Süßkartoffelgemüse, Bohnensalat und die Brotfüllung aus dem gebräunten Vogel.

Mit dem Feiern ging es am Freitag gleich weiter. Meinen Geburtstag habe ich früh am Morgen um 7 Uhr begonnen, um ans Meer zu fahren. Am Strand gab es dann einen kleinen Brunch und ich habe mir ein paar Sandwiches schmecken lassen. Zurück in Anaheim habe ich meine Geburtstagspost geöffnet und E-Mails gelesen. Da von Thanksgiving noch jede Menge Pumpkinpei (Kürbiskuchen) übrig war, war für die Geburtstagstorte auch gesorgt. Zusammen mit Schlagsahne ist das sehr fein. Essen ist das Wichtigste! Am Abend haben mich Freunde aus meiner Kirche in ein Restaurant eingeladen (sieh Foto). Ich hatte schon etwas von bayrischen Spezialitäten gehört, es war aber dann doch eine Überraschung. Das Lokal hieß „Jägerhaus“ und warb mit original deutscher Küche. Tatsächlich war von Sauerbraten bis zu Spätzle alles zu haben. Für mich gab es ein Schnitzel mit Pilzrahmsoße und es war lecker. Es wurde aber fast noch besser. Zum Abschluss des Abends haben wir uns das Feuerwerk in Disneyland angeschaut. Was für ein Tag und Morgen kommen noch ein paar Studienfreunde vorbei …
Vielen Dank für alle Geburtstagsgrüße!

Samstag, 21. November 2009

Großes Kino

Die vergangene Woche war richtig stressig für mich. Die letzten Mid-Term-Prüfungen und Abgaben standen auf dem Programm und ich war fleißig am arbeiten. Jetzt bin ich froh, dass wir wegen Thanksgiving eine Woche frei haben. Ich freue mich auf die Festtage und die Möglichkeit Freunde zu sehen. Danach warten nämlich die Abschlussprüfungen auf uns, die eine Woche vor Weihnachten stattfinden. Alle werden sehr beschäftig sein ...
Auf dem Foto (siehe oben) seht ihr unseren Freundeskreis aus internationalen Studenten, mit denen ich unter der Woche viel Zeit verbringe. Das sind echt total liebe und gesellige Leute. Beispielsweise haben wir ein „Potluck“ veranstaltet. Man trifft sich dabei zum Essen und jeder bringt eine Speise oder ein Getränk mit und man teilt miteinander. Die Koreaner hatten ein Nudelgericht mitgebracht, dass mich fast umgehauen hat, weil es so mächtig scharf war. Neben dem Essen aus unterschiedlichsten Ländern, haben wir uns auch gegenseitig unsere Heimat vorgestellt. Einige hatten ganz tolle Poster vorbereitet, auf denen die Highlights ihrer Herkunftsländer abgebildet waren.

Was wäre LA ohne Hollywood! Habe ja schon einiges über meine Entdeckungstouren durch LA und Orange County berichtet. Da darf eine Geschichte über einen Filmdreh natürlich nicht fehlen. Es gibt Gebiete in Los Angeles, wo man mit ziemlicher Sicherheit irgendwann auf Dreharbeiten stößt. Hochgeladen habe ich ein Foto von einer Filmszene, die in Downtown aufgenommen wurde. Genauer gesagt war der Drehort auf der Grand Avenue. Es war interessant zuzusehen, wie das genau von Statten geht. Die Szene wurde immer wieder wiederholt und dann die Aufnahmen auf kleinen Bildschirmen analysiert, um die Einstellungen der Kameras und die Interaktionen der Schauspieler zu verbessern. Da ich wenig Ahnung von Filmen habe, kann ich nicht sagen, ob eine Berühmtheit mitgespielt hat. Auf dem schmalen Bürgersteig waren alle möglichen Gerätschaften versammelt. Es gab einen Schminktisch, Snacks und Getränke waren aufgebaut und allerlei Ton- und Lichttechnik. Das ist schon spannend zu beobachten.

Dienstag, 17. November 2009

Vom Bauen

Hallo liebe Leute! Sende euch mit diesem „Post“ sonnige Grüße nach Hause und wo immer ihr euch gerade aufhaltet. Das Wetter ist immer noch traumhaft - kein Wölkchen trübt den Himmel und das Thermometer zeigt am Mittag 80°F (25°C). Da es hier und da auch im November blüht, kann man jetzt noch einen der flinken Kolibris entdecken. Mitte Oktober ist es mir gelungen einen der sehr scheuen Vögelchen mit meiner Digitalkamera aufzunehmen – da war ich stolz ;-)

Außer Naturaufnahmen kommen bei mir besonders häufig Gebäude vor die Linse. Studienbedingt interessiere ich mich sehr für allerarten Bauwerke und manche an freien Tagen gerne Mal eine Tour zu einem neuen Apartmentkomplex oder einem Museum. Orange County und Los Angeles haben was das angeht viel zu bieten und es macht Spaß die Gegend zu sehen. Hier zwei Beispiele aus Downtown LA:

Die Walt Disney Concert Hall in Downtown Los Angeles

Neue "Performing Arts High School" gegenüber dem Santa Ana Freeway

Nicht nur Gebäude werden gebaut, sondern auch Brücken. Im übertragen Sinne meine ich die Bekanntschaften, die ich während meines Auslandssemester machen darf. Die Menschen, die ich hier treffe, sehe ich als große Bereicherung. Gott beschenkt mich damit. Ich möchte euch von zwei deutsch-deutschen Begegnungen im fernen und doch so nahen Kalifornien berichten. Bereits erwähnt habe ich, dass Anaheim eine deutsche Gründung ist und dass im Verlauf der Geschichte immer neue Einwanderer nach Orange County kamen. Heute möchte ich euch zwei Personen vorstellen, die die trockene Geschichte mit Leben füllen. Vor einiger Zeit war ich in Downtown Santa Ana unterwegs, wo Cal State Fullerton eine Kunstgallerie und Schulungsräume unterhält. Vor dem Schaufenster der Galerie stehend, spricht mich auf einmal ein älterer Herr mit Strohhut an und fragt mich, was ich den hier so mache. Es ergab sich eine richtige Unterhaltung und wir stellten uns mit Namen vor. August hieß er, ist fast 80 und hat einen Vater, der für Kaiser, Volk und Vaterland in den ersten Weltkrieg gezogen ist. Nach dem Krieg ist dieser stolze Deutsche in die USA ausgewandert und hat sich in Wisconsin im Mittleren Westen niedergelassen. Dort gründete er später eine Familie und August erblickte das Licht der Welt. Es war wirklich spannend ihm zuzuhören und ich dachte mir, schön ein solches Original zu treffen.

Eine andere Begegnung ereignete sich auf dem Campus des Orange County Performing Arts Center. Dorthin hat es mich verschlagen, weil ich mir mal wieder die Architektur ansehen wollte und davon gibt es hier gleichmal eine Kostprobe:

Kaum in Costa Mesa angekommen, habe ich meine Kamera ausgepackt und wollte Bilder von der Konzerthalle und dem Theater machen. Da kommt ein Wachmann im schicken Anzug auf mich zu und ich grüße freundlich. Er grüßt zurück und erklärt mir vorsichtig, dass man hier eine Genehmigung bräuchte zum Fotografieren. Er meinte allerdings, ich könne ruhig weiter machen und wenn mich jemand fragt antworten, dass ich bei ihm was unterschrieben hätte. Dann stellt sich heraus, er kommt aus Stuttgart und ich erzähle, dass ich auf der Cal State Fullerton ein Auslandssemester absolviere und aus Karlsruhe komme. Da haben wir erst mal gelacht. Ich betone allerdings nochmal ausdrücklich, dass das Foto allein privaten Zwecken dient.
Bis zum nächsten Mal! Euer Simon

Mittwoch, 11. November 2009

Veterans Day

Am 11. November 1918 endete der erste Weltkrieg und ließ verwüstete Schlachtfelder und abertausende gefallener und verwundeter Soldaten zurück. In den USA wird der Jahrestag des Versailler Vertrags bis heute als „Veterans Day“ gefeiert. In Fullerton findet dazu traditioneller Weise eine Parade und eine feierliche Kranzniederlegung statt. Da ich mehr über Amerika lernen möchte, war ich mit unter den Zuschauern. Alle fünf Waffengattungen des US-Militärs waren durch je eine Einheit aus Rekruten vertreten, wie ihr sie auf dem Foto (siehe oben) sehen könnt. Dazu spielte eine Marschkapelle, eine Staffel historischer Jagdbomber donnerte über unsere Köpfe hinweg und Salutschüsse ehrten Amerikas Soldaten. Viele Veteranen im Seniorenalter waren gekommen, um bei der Parade mit dabei zu sein oder gefallenen Kammeraden zu gedenken. Bei aller Glorifizierung ist es doch wichtig an die Aufopferung der gedienten Soldaten und ihrer Familien zu erinnern. Ganz aktuell haben die Kriege im Irak und in Afghanistan für 1 Million neue Veteranen gesorgt. Auch wenn keine feindliche Kugel sie traf, kommen sie mit seelischen Wunden zurück aus dem Einsatz und die amerikanische Gesellschaft muss in der Lage sein diese Menschen aufzufangen. Dies wurde in einer flammenden Rede deutlich gemacht.

Nach der Zeremonie in Fullerton ging es weiter nach Yorba Linda. Das ist weniger ein Frauenname, als der Geburtsort von Richard Nixon. Das war immerhin der 37. Präsident der Vereinigen Staaten. Jedenfalls war am Veterans Day der Eintritt in die „Richard Nixon Library“ frei und wir haben davon Gebrauch gemacht. Der Komplex umfasst Richard Nixons Geburtshaus, ein Museum, Veranstaltungsräume, eine Bibliothek und einen Garten, in dem das Ehepaar Nixon beerdigt ist. Da in Nixons Präsidentschaft die erste Mondlandung stattfand, gibt es jetzt zum 40. Jahrestag eine Sonderausstellung zu den Apollo-Missionen. Das hat mich besonders interessiert. Außerdem kann man ein Segment der Berliner Mauer besichtigen und die Geschenke, die die USA während seiner Amtszeit von anderen Staatsoberhäuptern erhalten haben. Auf dem Foto seht ihr mich vor dem Original des Präsidentenhubschraubers, in dem Nixon persönlich gesessen hat. Das ist derselbe Helikopter, in dem er nach seinem Rücktritt den Abflug gemacht hatte. Seinen Stuhl musste er wegen der s.g. Watergate-Affäre räumen. Der Präsident musste eingestehen, dass er Büros der gegnerischen demokratischen Partei hatte abhören lassen. Politik kann spannend sein ;-)

Sonntag, 8. November 2009

Zigeunerleben

Meng Concert Hall, Cal State Fullerton (Quelle: Patrick O’Donnell)

Keine Angst, der Titel soll nicht diffamieren, sondern ist eine Anspielung auf große Kunst. Ich war zu einem Konzert von Studenten der California State University eingeladen. Fullerton hat einen sehr guten Ruf in den Bereichen Theater und Gesang. Dementsprechend ist meine Uni auch mit einem großzügigen Konzertsaal ausgestattet, der Meng Concert Hall. Im Chor mit dabei eine Freundin aus meiner Kirchengemeinde, die ganz stolz berichtet hatte, dass auch deutsche Stücke vorgetragen werden. Sie hat mir dann ihre Noten unter die Nase gehalten und ich sollte den hoch-poetischen Text von Johannes Brahms‘ „O Schöne Nacht“ ins Englische übersetzen. Gar nicht so einfach. Am Samstag war es dann soweit und das Programmheft belehrte mich in meinen Übersetzungsversuchen. Jedenfalls war ich begeistert von dem klassischen Gesang und den Stimmen der Solisten. Der Dirigent und Professor lobte seine Studenten besonders für den Vortrag von „Singt dem Herrn ein neues Lied“ von Johann Sebastian Bach. Im Land der Hamburger auch Texte von Rainer Maria Rilke zu hören und der Musik Robert Schuhmanns zu lauschen ist fast ein Kulturschock. „Es lockt die Gitarre, die Cymbel klingt. Wie wild und wilder der Reigen sich schlingt.“

Newport Beach für Reiche: Villen mit privatem Anleger

Die letzten Wochen standen einige Klausuren an. Dabei musste ich immer wieder feststellen, dass ich zu Hause sehr abgelenkt bin und mit dem Lernen schlecht vorankomme. Als Alternative habe ich mich letzte Woche in Newport Beach an den Strand gesetzt. Dort konnte ich meine Unterlagen durchgehen und mich in den Pausen an der tollen Natur am Meer freuen. Bin auch froh, dass der Bärenanteil von Prüfungen geschafft ist und ich mich jetzt auf die Projekte und Examen zum Semesterabschluss konzentrieren kann. Am 18. Dezember endet mein Semester an der California State University, Fullerton.
In Newport Beach war ich allerdings nicht nur zum Studieren. Als ich auf dem Pier spazierte, hat mich ein Herr auf eine Schule von Delphinen aufmerksam gemacht, die sich sehr nahe am Strand aufhielt. Das war das erste Mal, dass ich Delphine in freier Natur gesehen habe. Gibt immer noch was Neues zu entdecken!

IN THE NEWS

20 Jahre Mauerfall
Im Fernsehen laufen Sendungen zu den bewegenden Ereignissen vor 20 Jahren und hier in Los Angeles gibt es in der Ronald Reagan Library eine Sonderausstellung zum Fall der Berliner Mauer. Amerika feiert mit uns!

Massaker in Fort Hood
Am Donnerstag wurden 13 US-Soldaten auf einem Stützpunkt in Texas durch einen Militärpsychologen erschossen. Als Motiv des Täters wird eine Radikalisierung in seinem islamischen Glauben in Verbindung mit Depressionen vermutet.

Sonntag, 1. November 2009

Von Klausuren und Kürbissen

Es ist Sonntagabend gegen 10 Uhr und ich bin gerade von meiner „College Group“ meiner Kirche in Fullerton zurück nach Hause gekommen. Das war ein schöner Abend mit Andacht, Lobpreis und viel Spaß mit Freunden. Das motiviert mich für die neue Woche und die Klausuren, die auf mich zukommen. Über das Wochenende habe ich jede freie Minute im Bus oder vor dem Einschlafen genutzt, um mich durch Texte über Stadtentwicklung und meteorologische Einflüsse auf Baseballstadien zu lesen. Das ist gar nicht so langweilig, wie es vielleicht klingen mag und so bin ich auch nicht frühzeitig eingeschlafen. Montag und Mittwoch steht jeweils eine Midterm-Prüfung an. Letzte Wochen habe ich schon mal das Examen im Fach „Mechanics of Materials“ gut hinter mich gebracht und nehme davon noch ein wenig Rückenwind in die neue Woche mit. Das war ein kleiner Meilenstein, weil ich mit der Statik eine Weile auf Kriegsfuß stand.

Unsere Gruppe von der International Christian Fellowship

Als Ausgleich zum Büffeln stand dieses Wochenende aber auch einiges auf dem Programm, schließlich war Halloween angesagt. Eine großartige Gelegenheit für Studenten zu feiern und Themenpartys zu organisieren. Anstelle von Geistern und Friedhof, haben wir uns beim christlichen Studententreff am Freitag (siehe Foto oben) auf Kürbisse und Bauernhof spezialisiert. Das ganze war eine nette Harvest Party, bei der wir Kürbisse ausgehöhlt und Spiele miteinander gespielt haben. Ein Erntefest also, bei dem reichlich Essen nicht fehlen durfte. In unserer Nachbarschaft in Anaheim waren derweil alle fleißig dabei alles für Samstag vorzubereiten. Hier auf diesen Bilder könnt ihr sehen, wie kreativ die Dekorationen im Vorgarten aussehen können:


Weil Halloween aus einer alten katholischen Tradition entstammt, bei der der Toten gedacht wurde, durften Grabstätten und Skelette als gestalterische Elemente nicht fehlen. Alles das wurde aufgebaut, um die Kinder am Samstagabend auf ihrer Süßigkeiten-Tour auf gruselige Weise zu begrüßen. Nach Sonnenuntergang zogen die verkleideten Kids dann um die Häuser und kamen auch an unsere Haustüre. Da gab es tapfere Piraten, kleine Superhelden und Prinzessinnen natürlich. Sogar ein Hund kam verkleidet – als geschälte Banane. Wir hatten ein Stroboskop auf der Veranda und sorgten damit für eine Art Blitzgewitter. Nachdem die Kinder ihren Spruch „Trick or Treat“ gesagt hatten, bekamen sie eine Süßigkeit. Wir hatten echt viel Spaß und ich hatte die Möglichkeit alle Nachbarn kennen zu lernen.