Seit sechs Wochen bin ich nun in Hamburg und habe mich gut
eingelebt. Ich bin froh, dass ich weiterhin bei meinem ehemaligen Dozenten
wohnen kann. Die Wohnungssituation in Hamburg ist besonders für Studenten und
Geringverdiener angespannt - es herrscht akuter Wohnungsmangel. So gestaltete sich auch meine Suche nach einer
Wohngemeinschaft als schwierig. Dementsprechend dankbar bin ich, dass ich mit
unserer Wohnung in Barmbek eine Unterkunft bis zum Ende meines Aufenthalts in
der Hansestadt habe. Ich kann mich also bis Mitte Februar häuslich einrichten und
habe am Wochenende gleich eine neue Deckenleuchte installiert. Sonst sind die
Verhältnisse recht einfach und wie ich diese Zeilen schreibe, sitze ich in
einem Waschsalon und schaue meinen Klamotten zu, wie sie im Trockner ihre
Runden drehen. Wir haben weder eine Waschmaschine noch einen Internetanschluss
in der kleinen Wohnung. Doch ich bin zufrieden und muss darüber schmunzeln, wie Gott
von Anfang an alles eingefädelt hatte.
| Blick von der obersten Etage der Elbphilharmonie auf die Speicherstadt und Hamburgs Skyline |
Der Kontrast zur prestigeträchtigen Elbphilharmonie könnte größer kaum sein. Der Vorzeigebau am Hafen wird mit Luxusapartments,
einem Hotel mit Blick über die Stadt und dem großen Konzertsaal der Hamburger
Philharmoniker aufwarten. Vom Stand der Bauarbeiten konnte ich mich am
vergangen Freitag überzeugen. Für Mitarbeiter der Kulturbehörde der Stadt
Hamburg, die mein Arbeitgeber ist, gab es exklusive Führungen über die
Baustelle. Auch ohne Baumängel und explodierende Kosten ist die Elbphilharmonie
ein Bau der Superlative. Es wird nicht alle Tage ein Konzertsaal in einer Höhe von 50 Metern errichtet. Außerdem sind der Schallschutz und die Akustik eine große
Herausforderung für die Architekten und die Baufirma. Wenn am nahegelegenen Kreuzfahrtterminal
der HafenCity ein Ozeanriese ablegt, dann darf sein Horn nicht den Musikgenuss
in der Elbphilharmonie stören. Deshalb muss der Konzertsaal von einer
Luftschicht umgeben und auf Federn gelagert sein. Dazu gibt eine äußere und
eine innere Schale aus Beton. So sitzt der große Saal der Philharmoniker wie
ein rohes Ei auf Stoßdämpfern und lässt die Eigentümer der Wohnungen mit
Elbblick im gleichen Gebäude ruhig schlafen. So brauchen auch die Superreichen eine
Karte, nur die Aussicht ist inklusive.
Bei uns in einem kleinen Abstellraum hängt ein Schild:
AntwortenLöschen"...und aus dem Chaos sprach eine Stimme die sprach: Lächle und sei froh über das, was du hast, denn es kann noch schlimmer kommen.
Und ich lächelte und war froh und es kam noch schlimmer..."
Das bringt mich jedes Mal zum Grinsen und ich dachte, ich lass dich auch mal daran teilhaben. :-)
Liebe Grüße
Fabi